Ökologischer vs. chemischer Zustand der Gewässer - worin der Unterschied liegt
Das ist eines der häufigsten Missverständnisse beim Lesen von Gewässerbewertungen: Der ökologische Zustand und der chemische Zustand werden mitunter verwechselt oder für eines genommen. Dabei sind es zwei getrennte Bewertungen, nach verschiedenen Kriterien und auf verschiedenen Skalen erstellt - und erst zusammen geben sie das volle Bild eines Wasserkörpers. Das Verständnis dieses Unterschieds hilft sehr bei der Deutung von Monitoringergebnissen.
Ökologischer Zustand - über das Funktionieren des Ökosystems
Der ökologische Zustand sagt, wie gut das Wasser lebt: ob sein Ökosystem seinem natürlichen Zustand nah ist. Er wird in fünf Klassen bewertet (sehr gut → schlecht), und über das Ergebnis entscheiden vor allem die Organismen (biologische Elemente), unterstützt von physikalisch-chemischen und hydromorphologischen Indikatoren. Es ist eine Bewertung „über das Leben im Wasser” - empfindlich u. a. gegenüber der Eutrophierung, Gerinneveränderungen oder Störungen des Abflusses.
Chemischer Zustand - über konkrete Stoffe
Der chemische Zustand betrachtet etwas anderes: das Vorhandensein prioritärer Stoffe und anderer besonders gefährlicher Schadstoffe (z. B. Schwermetalle, PAK, einige Pestizide), bewertet gegen die Umweltqualitätsnormen (EQS). Die Skala ist hier einfacher - zwei Klassen: gut oder nicht gut. Es ist eine Bewertung „über das, was gelöst und gefährlich ist”, unabhängig davon, wie üppig das Leben im Wasser ist.
Warum getrennt
Weil diese beiden Dinge nicht zusammen gehen müssen. Ein Fluss kann einen guten chemischen Zustand haben (keine Überschreitungen prioritärer Stoffe) und zugleich einen mäßigen ökologischen Zustand - z. B. wegen eines Überschusses an Nährstoffen oder eines regulierten Gerinnes. Es kommt auch umgekehrt vor. Die Trennung der Bewertungen erlaubt es, das Problem treffend zu benennen und die richtigen Maßnahmen zu wählen.
Wie es sich zu einem Ganzen fügt
Der Gesamtzustand eines Wasserkörpers ist der schlechtere der beiden Ergebnisse - „gut” nur dann, wenn beide mindestens gut sind (das Prinzip „der schlechteste entscheidet”).
Eine Anmerkung zu den Begriffen: Für erheblich veränderte und künstliche Gewässer wird statt des ökologischen Zustands das ökologische Potenzial bewertet. Der chemische Zustand wird gleich bewertet, unabhängig davon, ob ein Wasserkörper natürlich oder verändert ist.
In der Praxis
Beide Bewertungen ruhen auf systematischen Messungen - biologischen und physikalisch-chemischen - die an festen Punkten geführt und über die Zeit verglichen werden. Wenn du solche Daten selbst sammelst, erlaubt es LimnoLog, sie an einem Ort zu halten, mit Richtlinien für die einzelnen Indikatoren. Mehr zu einzelnen Messungen findest du im Methodenführer; woraus sich der ökologische Zustand zusammensetzt - im Artikel über die Elemente der Bewertung.
← Wissensdatenbank