BMWP-PL - wie man den biotischen Makroinvertebraten-Index berechnet

Wissensdatenbank · 26. Juli 2026

Eine Untersuchung der benthischen Makroinvertebraten endet mit einer Liste von Organismen - und der BMWP-PL-Index verwandelt sie in eine einzige, vergleichbare Zahl, die die Wasserqualität beschreibt. Es ist einer der beliebtesten biotischen Indikatoren; es lohnt sich zu verstehen, wie er entsteht.

Die Idee: Punkte für jede Familie

BMWP-PL ist die an die polnische Fauna angepasste Fassung: sie umfasst 88 Familien (Methodik von Kownacki und Soszka, 2004), denen 1 bis 10 Punkte nach der Empfindlichkeit gegenüber Sauerstoffdefiziten und toxischen Produkten des Abbaus organischer Substanz zugeordnet sind. Ein Ausschnitt der Skala mit Beispielen je Stufe:

PunkteCharakter der FamilienBeispiele
10am empfindlichsten; sauberes, gut belüftetes WasserAmeletidae, Glossosomatidae, Odontoceridae, Leptoceridae, Blephariceridae
9sehr empfindlichTaeniopterygidae, Cordulegastridae, Goeridae, Lepidostomatidae
8empfindlichAstacidae, Perlidae, Philopotamidae, Heptageniidae
7mäßig empfindlichEphemeridae, Caenidae, Limnephilidae, Elmidae, Unionidae
6intermediärGammaridae, Baetidae, Simuliidae, Coenagrionidae
5mäßig tolerantHydropsychidae, Dytiscidae, Notonectidae, Hydrobiidae
4tolerantCeratopogonidae, Planorbidae, Sphaeriidae, Valvatidae
3deutlich tolerantChironomidae, Asellidae, Erpobdellidae, Glossiphoniidae
2sehr tolerantOligochaeta, Culicidae
1extrem tolerant; stark belastetes WasserSyrphidae, Psychodidae

Die punktbewerteten Familien mit ihren Punkten stehen im BMWP-PL/ASPT-Rechner - Sie haken die gefundenen Familien an, er summiert die Punkte und berechnet ASPT. ⚠️ Die Liste umfasst dort 118 Einträge, denn das GIOŚ-Handbuch führt sie in zwei Fassungen: die Flussliste (Anh. IV, 88 Einträge - sie speist ASPT_PL innerhalb von MMI_PL) und eine breitere Liste für Seen und Talsperren (Anh. II/III), die unter anderem Osmylidae, Spongillidae, Lestidae, Nereidae, Bryozoa und Araneae ergänzt und Heptageniidae in zwei Gattungseinträge teilt. Beide Ebenen beziehen ihre Punktwerte aus derselben Quelle; Einträge außerhalb der Flussliste sind im Rechner gekennzeichnet und lassen sich ausblenden.

⚠️ Ein Detail, das das Ergebnis ändern kann: Die Aufteilung der Heptageniidae auf zwei Einträge (die Gattungen Epeorus und Rhithrogena mit 8, die übrigen Gattungen dieser Familie mit 6) stammt aus der Liste für Seen und Talsperren (Anh. II/III). Die Flussliste (Anh. IV), aus der ASPT_PL berechnet wird, geht kein einziges Mal unter die Familienebene - sie bewertet die gesamte Familie Heptageniidae mit 8. Bei einer Flussprobe bleibt man also auf Familienebene.

Wie man ihn berechnet

  1. Bestimme die Organismen bis auf Familienebene.
  2. Für jede vorhandene Familie lies ihre Punktzahl aus der BMWP-PL-Tabelle ab.
  3. Summiere die Punkte aller Familien → das ist der BMWP.
  4. Berechne den ASPT (Average Score Per Taxon) = BMWP ÷ Zahl der bewerteten Familien.

Es zählt die Anwesenheit der Familien (nicht die Individuenzahl).

Beispiel. In der Probe fanden Sie vier Familien: Leptoceridae (10), Baetidae (6), Gammaridae (6) und Chironomidae (3).

BMWP = 10 + 6 + 6 + 3 = 25 ASPT = 25 ÷ 4 = 6,25

Es zählt die Anwesenheit der Familien (nicht die Individuenzahl): zehn Bachflohkrebse und einer zählen gleich.

Wie man das Ergebnis liest

  • hoher BMWP und ASPT → sauberes, gut belüftetes Wasser mit vielen empfindlichen Familien,
  • niedrige Werte → Belastung (meist durch organische Substanz und Sauerstoffmangel).

ASPT ist stabiler als BMWP allein, und das ist Arithmetik, keine Geschmacksfrage: BMWP wächst mit jeder gefundenen Familie, belohnt also größeren Aufwand - längeres Keschern ergibt an derselben Stelle eine höhere Summe. ASPT teilt durch die Zahl der Familien und misst damit die Qualität der Lebensgemeinschaft, nicht den Probenumfang.

Was BMWP-PL nicht leistet: er ist nicht die amtliche Klassifikation

Für BMWP-PL selbst wurden historisch fünf Güteklassen definiert, aber der ökologische Zustand der Flüsse wird im polnischen staatlichen Monitoring heute nicht mit diesem Index bewertet. Es gilt MMI_PL (Polnischer Multimetrischer Index), in dem ASPT eine der Komponenten ist - und zwar die mit dem größten Gewicht:

MMI = 0,334 × ASPT + 0,266 × log₁₀(Sel_EPTD + 1) + 0,167 × S + 0,083 × EPT

  • 0,083 × H’ + 0,067 × (1 − GOLD)

wobei S die Taxazahl, EPT die Zahl der Eintags-, Stein- und Köcherfliegenfamilien, H' der Shannon-Index und GOLD der Anteil von Oligochaeten, Mollusken und Dipteren ist. Die Klassengrenzen hängen zusätzlich vom biozönotischen Flusstyp ab.

Praktische Folge: BMWP-PL und ASPT eignen sich hervorragend für eigenes Monitoring und zeitliche Vergleiche an derselben Stelle, aber das Ergebnis darf nicht als „WRRL-Zustandsklasse” dargestellt werden. Das sind zwei verschiedene Dinge, und der Unterschied ist inhaltlich, nicht formal.

Die häufigsten Fallstricke

  • ungenaue Bestimmung (bis zur Familie) - sie verändert das Ergebnis,
  • unterschiedliche Probengröße/-methode - vergleiche nur gleich Gesammeltes,
  • ein einzelnes Ergebnis als Urteil behandeln - es zählt der Trend.

Quellen

  • BMWP-PL-Punktwerte der Familien (Flussliste: 88 Einträge, 1-10 Punkte) - die Punkttabelle zitieren wir nach der GIOŚ-Ausgabe: A. Kolada (red.) (2020), Podręcznik do monitoringu elementów biologicznych i klasyfikacji stanu ekologicznego wód powierzchniowych. Aktualizacja metod, Biblioteka Monitoringu Środowiska, GIOŚ, Warszawa, ISBN 978-83-950881-2-4 - PDF, Anh. IV (Flüsse), S. 160 sowie Anh. II/III (Seen und Talsperren), S. 173-174 und 293-294. Ausgangsmethodik: A. Kownacki, H. Soszka (2004), Wytyczne do oceny stanu rzek na podstawie makrobezkręgowców oraz do pobierania prób makrobezkręgowców w jeziorach, Zakład Ochrony Przyrody PAN, Warschau. Wissenschaftliche Grundlage: T. Fleituch, H. Soszka, D. Kudelska, A. Kownacki (2002), Macroinvertebrates as indicators of water quality in rivers: a scientific basis for Polish standard method, Archiv für Hydrobiologie Supplement 141: 225-239. Die Liste für die Berechnung steht in unserem BMWP-PL/ASPT-Rechner.

  • MMI_PL - Formel, Komponenten und Klassengrenzen nach biozönotischem Flusstyp: methodisches Kapitel (PDF).

  • Methodik für Seen (Index LMI, getrennt vom Fließgewässer-Index): GIOŚ - Methodenentwicklung (PDF).

🧮 Werkzeug: BMWP-PL / ASPT-Rechner - markiere die gefundenen Familien, und wir berechnen den biotischen Index und ASPT für dich. (Polnische BMWP-PL-Variante.)

In der Praxis

Die Rohdaten für den Index sind eine Liste von Familien aus einem Standort und einem Termin. In LimnoLog erfasst du sie als eigene Indikatoren (Familien / BMWP-Wert / ASPT) und verfolgst das Ergebnis über die Zeit neben den Wasserparametern. Was der Index selbst vor dem Hintergrund der anderen Elemente ist, beschreiben wir in den Elementen der Zustandsbewertung.

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