BSB, CSB, TOC - Indikatoren der organischen Substanz im Wasser

Wissensdatenbank · 24. Juli 2026

In Berichten über die Wasserqualität wiederholt sich ein Trio von Abkürzungen: BSB, CSB, TOC. Sie alle beschreiben die organische Substanz im Wasser und den damit verbundenen Sauerstoffbedarf - aber auf verschiedene Weise. Das Verständnis der Unterschiede erleichtert das Lesen der Ergebnisse und die Bewertung der Belastung des Wassers.

BSB₅CSBTOC
Was gemessen wirdvon Mikroorganismen verbrauchter Sauerstofffür die chemische Oxidation nötiger Sauerstoffdie Masse des organischen Kohlenstoffs
WieInkubation 5 Tage bei 20 °C, im DunkelnDichromat-Oxidation bei 148 °C, ~2 hVerbrennung/Oxidation und CO₂-Messung
Einheitmg O₂/lmg O₂/lmg C/l
Erfasstnur biologisch abbaubare Stoffeabbaubare und schwer abbaubare Stoffeden gesamten organischen Kohlenstoff
Wartezeit5 Tage~2-3 StundenMinuten
MethodennormISO 5815-1:2019ISO 6060:1989 / ISO 15705:2002EN 1484:1997
Typische Relationder niedrigste Wertin Oberflächengewässern meist 2-3× BSB₅, in häuslichem Abwasser wenigerandere Einheit - nicht direkt vergleichen

Drei Methoden, drei verschiedene Fragen - deshalb stehen sie im Bericht nebeneinander, nicht anstelle voneinander.

BSB - biochemischer Sauerstoffbedarf

Wie viel Sauerstoff Mikroorganismen beim Abbau organischer Substanz verbrauchen. Am häufigsten wird der BSB₅ bestimmt (nach 5 Tagen Inkubation). Ein hoher BSB ist ein Zeichen für eine große Fracht leicht abbaubarer organischer Substanz - z. B. Abwasser - und ein reales Risiko des Sauerstoffmangels im Wasser.

CSB - chemischer Sauerstoffbedarf

Wie viel Sauerstoff (genauer gesagt Oxidationsmittel) nötig ist, um organische Substanz chemisch zu oxidieren. Der CSB umfasst ein breiteres Spektrum an Verbindungen als der BSB (auch schwerer abbaubare), weshalb er meist höher ist. Er wird nach der Dichromat- oder Permanganatmethode bestimmt.

TOC - gesamter organischer Kohlenstoff

Ein direktes Maß für die Menge an organischem Kohlenstoff im Wasser. Er sagt nichts unmittelbar über den Sauerstoffbedarf aus, ist aber ein konsistentes, instrumentelles Maß für den Gehalt an organischer Substanz.

Wie man sie zusammen liest

Am meisten sagt das Verhältnis CSB/BSB₅ aus - welcher Teil der organischen Substanz den Mikroorganismen überhaupt zugänglich ist:

CSB / BSB₅Was das bedeutet
< 2leicht abbaubare Substanz - typisch für häusliches Abwasser
2-4Mischung; teilweise Abbaubarkeit
> 4Überwiegen schwer abbaubarer Verbindungen - Hinweis auf Industrieabwasser, Deponiesickerwasser oder natürliche Huminstoffe

Außerdem: hoher BSB₅ → viel leicht abbaubare Substanz → reales Risiko eines Sauerstoffabfalls; alle drei Kennwerte steigen mit der organischen Belastung des Einzugsgebiets. Ein Rückgang des BSB₅ flussabwärts ist oft das Werk der Selbstreinigung und nicht das Verschwinden der Quelle - deshalb liest man das Ergebnis entlang des Gewässers, nicht an einem Punkt.

⚠️ Das Verhältnis ist ein Hinweis, kein Beweis. Huminstoffreiche Gewässer (Moore, Braunwässer) haben aus völlig natürlichen Gründen hohen CSB und niedrigen BSB₅ - die Zahl sieht dann aus wie Industrieabwasser, ist aber gewöhnliche Geochemie des Einzugsgebiets.

Quellen

  • Bestimmungsmethoden (Ausgaben geprüft am 18. August 2026): BSB - ISO 5815-1:2019 (Verdünnungs- und Impfverfahren, 5-tägige Inkubation bei 20 °C); CSB - ISO 6060:1989 (Dichromat) und ISO 15705:2002 (Küvettentest); TOC - EN 1484:1997. ⚠️ Bei TOC sind „ISO 8245” und „EN 1484” nicht austauschbar: die europäische Norm erfasst ISO 8245:1987 als nicht äquivalent (NEQ) - ein Schrägstrich dazwischen suggeriert zu viel.
  • Anforderungen an kommunales Abwasser (Ursprung der Grenzwerte in Erlaubnissen): Richtlinie 91/271/EWG über die Behandlung von kommunalem Abwasser; nationale Grenzwerte regeln Durchführungsvorschriften. ⚠️ Die Rechtslage ändert sich: Die Richtlinie 91/271/EWG gilt bis zum 1. August 2027, danach wird sie durch die Richtlinie (EU) 2024/3019 ersetzt (Neufassung - u. a. Senkung der Schwelle für Gemeinden von 2 000 auf 1 000 EW). (Geprüft am 17. August 2026.)
  • Klassifikation der Oberflächengewässer (BSB₅ und TOC sind physikalisch-chemische Elemente der Bewertung): siehe Gewässergüteklassen.

In der Praxis

BSB, CSB und TOC werden von einem Labor bestimmt - im Gelände zählt die korrekte Probenahme. Es lohnt sich, die Ergebnisse zusammen mit dem übrigen Monitoring zu halten; in LimnoLog trägst du sie in die richtige Sitzung ein und siehst sie im Kontext von Sauerstoff und Nährstoffen.

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